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Heinrich Sivers (Hamburg) an Stanisław Lubieniecki (Hamburg), 24. Dezember 1664

Metadaten

Kopfregest

Der Brief stellt eine kritische Auseinandersetzung von SiversPerson (im Register) mit der geometrisch-optischen Modellierung der Entstehung von Kometenschweifen dar. Für Sivers spielt demgegenüber die materielle Beschaffenheit des Ausflusses aus dem Kopf des KometenHimmelserscheinung (im Register) eine wichtige Rolle, was er an drei Punkten verdeutlicht. (1.) Es müsse ein materieller reflektierender Gegenstand vorhanden sein, damit Lichtstrahlen überhaupt etwas sichtbar werden lassen. (2.) Die KometenschweifeHimmelserscheinung (im Register) zeigten gewisse Abweichungen von der genauen Ausrichtung entlang des Strahls Sonne – Kometenkopf – Kometenkern. Diese Abweichung resultiere aus der Materie der Kometenschweife. (3.) Die ZeichnungSachbegriff (im Register) des Strahlenverlaufs an einem lichtbrechenden Medium (KometenkopfHimmelserscheinung (im Register)) zeige, dass dieses Modell zu von den Erscheinungen stark abweichenden Resultaten führe, weshalb es abzulehnen sei. Zur Diskussion der kontroversen Fragen und der Kometenbeobachtungen schlägt SiversPerson (im Register) ein Treffen in der Hamburger Bibliothek am nächstfolgenden Mittwoch (21. Dezember alten Stils) vor.

Variante 1

Texttyp

Abdruck

Textgenre

Brief

Grundsprache

Latein

Quelle

Theatrum cometicum I, S. 915Werk (in der Bibliografie)

Inhalt

[915]

S.P. Abkürzungsauflösung: Salutem plurimam Longe diversam esse radiationem luminis per vitrum a radiatione ista Solis, qua cauda cometae dirigitur, ex iis, quae supra dixi, satis liquere puto, praesertim cum cauda cometae statim a corpore cometico continua sit et visibilis, contra autem radiatio illa luminis per vitrum, non nisi in objecto terminante cernatur: inter objectum vero et vitrum nulla omnino visu percipi possit. Accedit praeterea, (quantum tubo optico Sachbegriff (im Register)manuali dignoscere datur,) quod nucleus hujus cometaeHimmelserscheinung (im Register) sphaericus et solidus non videatur: sed quasi ex quatuor distinctis corporibus sphaericis ita compositus, ut haec ipsa (quemadmodum supra de prunis dictum est) pyramidatim cohaerentia, et quavis parte triangularem formam exhibentia, in sui medio cavitatem relinquant: non quidem vacuamSachbegriff (im Register), sed eadem materia rariori, quae hunc nucleumHimmelserscheinung (im Register) involvit, ut totum corpus sphaericum appareat oppletam.


Unde quam facile quoque ratio reddi potest, quare cauda cometaeHimmelserscheinung (im Register) interdum accurate directa sit radiis solaribus, interdum ab ista rectitudine nonnihil devietHimmelserscheinung (im Register). Cum enim radii solares cavitatem illam directe sibi obversam sine impedimento transeunt, materiam rarioremHimmelserscheinung (im Register)Himmelserscheinung (im Register) propellentes, vel secum ducentes, radiatio caudaHimmelserscheinung (im Register) recta quoque pergit: sed cum situs cometae partem sui, qua globuli cohaerent, Soli obvertit, radii hujus, a globulo cavitatem vel ab anteriori vel a posteriori plaga occludente deflexi, materiam illam cometae rarioremHimmelserscheinung (im Register) aliorsum quoque ac in directum propellunt. Vide figuram de triplici cometae situ.


Tamen ut ut sit, diagramma Tafel Nr. 36, Figur 2. de ratione optica luminis transparentis in gratiam Generos.generositatis tuae depictum hic adjungo, (in quo S. exhibet Solem, cujus radii A E et A F corpus cometae, ex hypothesi tua sphaericum, permeantes, et ex legibus opticis bis refracti, scilicet in E et I, F et Q tandem congrediuntur in U. Radii vero A C et A D conveniunt eadem lege in W. Sic etiam G E et H F in E, G C vero et H D in I. Et quotquot ex punctis in X et Z. intermediis radii per corpus cometae duci possunt, omnes pone hoc ipsum se invicem decussant et a decussatione divergunt. Jam si cauda cometaeHimmelserscheinung (im Register) istiusmodi radiis se invicem decussantibus constare cerneretur, utique locum aliquem opinio tua reperiret, quem vero experientia in diversum abiens negat.

Utrum jam generositati tuae hoc ipso satisfecerim, proximo die Mercurii forte in Bibliotheca nostra Cathedrali, si accedere tum libuerit, percepturus sum, et simul observationes meas de situ cometaeHimmelserscheinung (im Register) indies variato communicaturus, modo tanti sint, ut tibi explicari mereantur. Vale.

Editorische Anmerkungen
  1. Die offenbar als Kritik gemeinte Unterscheidung beim Gang von Strahlen durch ein optisch dichteres Medium – zum Einen eines Glases (z.B. einer konvexen Linse) und zum Anderen des KometenkörpersHimmelserscheinung (im Register) – betrifft den Aspekt, dass der SchweifHimmelserscheinung (im Register) unmittelbar an den KometenkopfHimmelserscheinung (im Register) anschließt, während im ersten Fall etwas Vergleichbares nur unter der Bedingung auftritt, dass die Strahlen hinter der Linse auf Gegenstände fallen, die das Licht reflektieren: "in objecto terminante cernatur". In einem mit einem vollständig transparenten Medium angefüllten Raum wären Lichtstrahlen unsichtbar. Dieser Unterschied ist für SiversPerson (im Register) insofern wichtig, als die Sichtbarkeit des Kometenschweifes deshalb die Annahme einer Materie des KometenschweifesHimmelserscheinung (im Register) erforderlich macht, an der die im Kometenkopf gebrochenen SonnenstrahlenSachbegriff (im Register) reflektiert werden. Zurück zur kommentierten Textstelle
  2. Dieser Punkt der Kritik geht von dem Beobachtungsbefund aus, dass es sich beim Kometenkopf nicht um eine Kugel, sondern um ein Konglomerat von mehr und minder transparenten Bestandteilen handelt. Somit passt laut Sivers das Modell der transparenten Kugel (z.B. einer SchusterkugelSachbegriff (im Register)) nicht zu diesem Kometen. Zurück zur kommentierten Textstelle
  3. Tafel Nr. 36, Figur 3Brief. Die IllustrationSachbegriff (im Register) verdeutlicht, dass Sivers auf Grund der von ihm angenommenen Materie, die den KometenschweifHimmelserscheinung (im Register) ausmacht, von einem rein geometrischen Modell der SchweifausrichtungHimmelserscheinung (im Register) abweicht: Die konkrete Ausrichtung des Schweifes ist von der kontingenten Ausbildung der Licht reflektierenden Materie bzw. der Gestalt der entflammten AuraSachbegriff (im Register) abhängig. Zurück zur kommentierten Textstelle
  4. Die ZeichnungSachbegriff (im Register) hat SiversPerson (im Register) offensichtlich zur Veranschaulichung der Annahmen Lubienieckis angefertigt. Sie zeigt auf der linken Seite den Kreis S, der die Sonne repräsentiert, mit den auf der Peripherie markierten Punkten X, G, A, H, Z. Rechts ist als kleinerer Kreis der Kometenkopf dargestellt, den ein Strahl A, B, E, U, W gerade durchläuft, während alle übrigen Strahlen im Kometenkörper doppelt gebrochen werden und sich an den angegebenen Punkten E, U, W schneiden ("se invicem decussant") und wieder auseinanderstreben ("a decussatione divergunt"). Aus Sivers Zeichnung wäre also ein zunächst spitz zulaufender Kometenschweif zu erwarten, der sich dann wieder verbreitert. Dies hält Sivers mit dem wirklichen Aussehen von Kometenschweifen unvereinbar. Auch deshalb sei das vorgeschlagene Modell abzulehnen. Zurück zur kommentierten Textstelle
  5. Tafel Nr. 36, Figur 2Brief. Zurück zur kommentierten Textstelle
  6. Eine weitere Diskussion dieser Frage ist im Briefwechsel Sivers-Lubieniecki nicht dokumentiert.Zurück zur kommentierten Textstelle
Zitierhinweis

Michael Weichenhan: „Heinrich Sivers (Hamburg) an Stanisław Lubieniecki (Hamburg), 24. Dezember 1664“, in: Zwischen Theologie, frühmoderner Naturwissenschaft und politischer Korrespondenz: Die sozinianischen Briefwechsel, hg. von Kęstutis Daugirdas und Andreas Kuczera unter DH-Mitarbeit von Julian Jarosch und Patrick Toschka.

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