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Heinrich Sivers (Hamburg) an Stanisław Lubieniecki (Hamburg), 30. Dezember 1664

Metadaten

Kopfregest

SiversPerson (im Register) macht an Hand einer IllustrationSachbegriff (im Register) seine Auffassung von der Bewegung des KometenHimmelserscheinung (im Register) deutlich: Die unterschiedlichen Zeitspannen, die es auf einer Bezugsebene zurückzulegen scheint, deutet er als scheinbare UngleichförmigkeitHimmelserscheinung (im Register), während der Komet sich mit gleichförmiger Geschwindigkeit auf seiner BahnHimmelserscheinung (im Register) bewege. Dabei handele es sich um eine KreisbahnSachbegriff (im Register). Freilich könne man nicht ausdrücklich behauptet, dass Kometen lang dauernde Gegenstände seien, die vollständige Umläufe um ihr eigenes BewegungszentrumSachbegriff (im Register) vollzögen. Gleichwohl könne dies auch nicht ausgeschlossen werden. Abschließend geht SiversPerson (im Register) kurz auf Guerickes Auffassungen Himmelserscheinung (im Register)ein, die er für zu voraussetzungsreich und als insgesamt unbefriedigend empfindet.

Variante 1

Texttyp

Abdruck

Textgenre

Brief

Grundsprache

Latein

Quelle

Theatrum cometicum I, S. 916Werk (in der Bibliografie)

Inhalt

[916]


Hodie mane circa quintam, cum stellaeHimmelserscheinung (im Register) undique caeloSachbegriff (im Register) nitescerent, cometam inter illas quaesivi, sed nullum reperi. Mitto igitur quatuor illas observationesHimmelserscheinung (im Register) diebus 4., 7., 8. et 11. Decembris Im Text erwähnte Zeitspanne: 04.12.1664–11.12.1664 (nach Gregorianischem Kalender); im Text verwendeter Kalender: Julianischhabitas. Ex quibus constat cometam hunc motu proprioHimmelserscheinung (im Register) intra 3 dies priores confecisse 4 gradus: quarto die 1¾. grad. posterioribus autem tribus diebus 7⅙. gradus. Ita ut motus in initio observationis tardior quam in fine hujus fuerit, qui exinde fidem mihi facit, ut credam cometam huncHimmelserscheinung (im Register)motuHimmelserscheinung (im Register) quasi epicyclico latum fuisse, et quidem ad apogeumHimmelserscheinung (im Register) orbitae suae magis magisque accessisse. Non enim est, cur motus hic inaequabilis ratione centriHimmelserscheinung (im Register) sui habeatur. Cum inaequalitas ista ex opticis facile Fig. 1.deducatur, ex quibus aliorum quoque phaenomenorum caelestium anomaliaeHimmelserscheinung (im Register) dirivantur.
Verbi gratia in diagrammate subjuncto moveatur A per partem peripheriae B C D, idque aequali motu per aequalia spatia BE, EF, FG, GH, HDHI etc; oculus in O constitutus motus inaequales notabit in recta BD Die mit einer Gradeinteilung versehene Bezugsebene BD, die über e, f, g ... läuft, kann auch als Gerade dargestellt werden, was wohl in der Vorlage von Sivers der Fall gewesen zu sein scheint. vel circulari B c D, cujus centrum O, propter ejus intervalla inaequalia radiis visoriis, quibus oculus motum A consequitur, intercepta. Et quoniam B e. minus est quam e f; A celerius motum esse ab E. ad F. videtur, quam a B. ad E. adhuc celerius autem ab F. ad G. etc. Deinde quoniam lumen B. constitutum remotius est ab oculo, quam in E; hoc illo fortius apparebit, et adhuc fortius in F. Unde etiam causa accrementi luminis istius deduci potis est facili negotio. Amplissimi Domini Guerichii judicium, quaedam probabilia proponere videtur: nonnulla autem quomodo probari possint, ipse videat, mihi certe rationes nullae de iis constant. Res ista multis hypothesibusSachbegriff (im Register) niti videtur.
Haec igitur sunt, nobilissime Domine, quibus desiderio tuo si non omnino satisfaciam, partem tamen aliquam propensae voluntatis indicare volui.
Vale.

Editorische Anmerkungen
  1. Der Komet bewegt sich deshalb "gleichsam auf einem EpizykelSachbegriff (im Register)", weil er auf Grund des Erscheinens und Verschwindens keine geschlossene Bahn nach Art der Planeten aufweisen kann, und zwar unabhängig davon, ob SonneSachbegriff (im Register) oder ErdeSachbegriff (im Register) als das Bewegungszentrum angenommen wird, sondern einen anderen Punkt umkreist, dessen mögliche Lokalisierung Sivers an dieser Stelle unterlässt. Bemerkenswert an dieser Ausdrucksweise ist, dass sie mindestens auf die Annahme hindeutet, Sivers rechne überhaupt mit einer geschlossenen KometenbahnHimmelserscheinung (im Register) und nicht mit Entstehung und Vergehen des Kometen, der sich während der Dauer seiner Existenz geradlinig oder auf einer geborgenen Linie bewegt, wie dies KeplerPerson (im Register) bzw. HeveliusPerson (im Register) vorgesehen hatten. In diesem Falle hätte Sivers mindestens in Erwägung gezogen, was von CassiniPerson (im Register) (Theoria motus, S. 7–31Werk (in der Bibliografie)) als HypotheseSachbegriff (im Register) vorgeschlagen wurde: die kreisförmige Bewegung der Kometen um ein außerhalb unseres Sonnensystems liegendes Zentrum, die man insofern als "epizyklischSachbegriff (im Register)" bezeichnen könnte. Zurück zur kommentierten Textstelle
  2. Zur Erläuterung der Darstellung: Der Komet, bezeichnet mit A (in der Zeichnung nicht abgebildet), bewegt sich scheinbar auf dem Kreissegment B, e, f ... D, das einen GroßkreisSachbegriff (im Register) (Ekliptik- oder Äquatorebene) repräsentiert. O repräsentiert den Standpunkt des Beobachters auf der Erde, das Kreissegment B, E, F ... D die reale Bahn des Kometen. In C liegt das PerigäumHimmelserscheinung (im Register), weshalb zwischen BC die Helligkeit des Kometen allmählich zunimmt, zwischen CD abnimmt. Angenommen wird eine gleichförmige Geschwindigkeit des Kometen, d.h. die Abschnitte BE, EF, FG ... werden in gleichen Zeit durchlaufen. Allerdings erscheint die Bewegung in der Projektion auf die Bezugsebene BD ungleichförmigHimmelserscheinung (im Register).Zurück zur kommentierten Textstelle
  3. Die mit einer Gradeinteilung versehene Bezugsebene BD, die über e, f, g ... läuft, kann auch als Gerade dargestellt werden, was wohl in der Vorlage von Sivers der Fall gewesen zu sein scheint. Zurück zur kommentierten Textstelle
  4. Die Bemerkungen GuerickesPerson (im Register) über die Entstehung von KometenBrief hat Lubieniecki offenbar am Vortage Sivers übersandt.Zurück zur kommentierten Textstelle
Zitierhinweis

Michael Weichenhan: „Heinrich Sivers (Hamburg) an Stanisław Lubieniecki (Hamburg), 30. Dezember 1664“, in: Zwischen Theologie, frühmoderner Naturwissenschaft und politischer Korrespondenz: Die sozinianischen Briefwechsel, hg. von Kęstutis Daugirdas und Andreas Kuczera unter DH-Mitarbeit von Julian Jarosch und Patrick Toschka.

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