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Johann Rist (Hamburg) an Otto v. Guericke d. J. (Hamburg), 24. Januar 1665

Metadaten

Kopfregest

Der Auszug aus dem Brief von RistPerson (im Register) beschäftigt sich mit der Frage, ob der KometHimmelserscheinung (im Register), der um den 14. Dezember 1664 unterhalb des CorvusHimmelserscheinung (im Register) zu sehen war, identisch sei mit demjenigen, der um den 30. Dezember in der Nähe des Rigel (β Orionis)Himmelserscheinung (im Register) erschien. Veranlasst ist die Frage durch den Umstand, dass der Komet auf Grund der Witterung einige Tage nicht beobachtbar gewesen ist, bei seinem Lauf durch den Himmel und damit der Veränderung seiner Stellung zur Sonne sein Aussehen aber signifikant verändert hatte: Der langschwänzige Komet von Mitte Dezember zeigte Ende Dezember nur noch einen kurzen Schweif; zur Zeit der Abfassung des Briefes, Ende Januar, befand sich der Komet im CetusHimmelserscheinung (im Register), sein SchweifHimmelserscheinung (im Register) zeigte nun nach Osten, nicht mehr, wie einen Monat zuvor, nach Westen. Rist macht auf das sog. SchweifrichtungsgesetzHimmelserscheinung (im Register) aufmerksam, wonach der Schweif stets von der Sonne abgewandt sei. Rist hält deshalb die vermeintlich zwei Kometen für identisch.Sachbegriff (im Register) Die Vermutung, dass es sich um zwei verschiedene Kometen handeln könne, hatte bspw. Guericke d. Ä.Person (im Register) geäußert, evtl. ist RistsPerson (im Register) Brief dadurch zu seinem Votum motiviert worden.

Den deutschen Text dürfte Lubieniecki für das "Theatrum cometicum"Werk (in der Bibliografie) ins Lateinische übersetzt haben.

Variante 1

Texttyp

Abdruck

Textgenre

Bericht

Grundsprache

Deutsch

Anmerkung

Die Angabe des Schreibortes "Hamburg" hat keinen unmittelbaren Anhalt im Text, der keine Ortsangabe bietet. Allerdings war Rist in dieser Zeit in Hamburg ansässig.

Quelle

Theatrum cometicum I, S. 248fWerk (in der Bibliografie)

Inhalt

[248]

Extract SchreibensSachbegriff (im Register)Herrn RistenPerson (im Register) vom14.|24. Jan.Abkürzungsauflösung: Januarii 1665Im Text erwähntes Datum: 24.01.1664 (nach Gregorianischem Kalender); im Text verwendeter Kalender: GregorianischIm Text erwähntes Datum: 24.01.1665 (nach Gregorianischem Kalender); im Text verwendeter Kalender: Julianisch und Gregorianisch.

Das wunderlichste an diesem CometenHimmelserscheinung (im Register) ist/ daß er so gar lange stehet/ den/ das so viele/ auch wohl kluge leute in der meinung sind/ daß dieser CometHimmelserscheinung (im Register) / den wir izo sehen/ ein ander sey/ und also zweene unterschiedliche Cometen gewesen/ solches hat gantz und gar keinen grund/ es ist und bleibt nur ein Comet.
Meine ursachen sind diese: der erste CometHimmelserscheinung (im Register) stund
inter CrateremHimmelserscheinung (im Register) et CorvumHimmelserscheinung (im Register), da er uns auß dem gesichte kahm. Nach dem uns dieser nun unscheinbahr geworden/ haben wir bey zehen tagen dunckler wetter gehabt. Nach deren verlauff hat sich dieser gar klein/ wegen des Mondenliechtes/circa pedem sinistrum OrionisHimmelserscheinung (im Register)sehen lassen/ da er dann inn 2. tagen/ über 16. grad.proprio motufort gelauffen. Dieses giebt wir anlaß zu muthmassen/ daß er die vorige tage/ weil er nicht gesehen/ nicht weniger/ sondern täglich bey 8. grad fort gelauffen. So nun deme also/ kan es gar füglich seyn/ daß dieser und der erste nur ein Comet sind/ angesehen/ daß das Sidus CorviHimmelserscheinung (im Register)und derOrionHimmelserscheinung (im Register)nicht über 70 grad.grade von ein ander stehen/ wie man auff dem GloboSachbegriff (im Register)kan sehen.
Und hindert dieses nicht/ daß der erste seinen schweiff ins Westen/ der letzte aber ins Oosten strecket/ den/ wie mein hochgeneigter Herr ResidentPerson (im Register), auch ohne meinem erinnern weiß/ ist die
Cauda Cometaenichtes/ alsRadii solares per materiam nebulosam circa caput Come-Himmelserscheinung (im Register)[249]Himmelserscheinung (im Register)tae transmissi. Woraus erfolget/ daß der schweiff immer Himmelserscheinung (im Register)a Sole aversaHimmelserscheinung (im Register)sey. Nun streckte der erste den schweiff ins Westen/ weil die Sonne (wann er uns des morgendts zu schein kam) schon ins Osten war. Dieser dieweil er des abendts gesehen wird/ da die Sonne ins Westen stehet/ muß nothwendig seinen schweiff ins Osten werffen: kan aber darumb eben der selbe Comet seyn/ nur/ daß er einen andernaspectum Solishat. Sonst finde ich beim KepleroPerson (im Register), daß Anno 1618 auch 3 Cometen gewesen/ davon aber 2 demnach der 3. sehr groß/ nicht in considerationgezogen worden/ aber die zeit lässet nicht zu hievon weitläufftiger zu discuriren.

[248]Excerptum ex literis Domini Ristii die 14/24. Jan. 1665.

Maxime mirandum in hoc cometaHimmelserscheinung (im Register) est, quod tam diu duret. Nam quod multi, etiam docti alioqui viri in ea sint opinione, hunc cometamHimmelserscheinung (im Register), quem nunc videmus, esse a priori diversum, et ita duos distinctos cometas fuisse, hoc nullum habet fundamentum: est et manet unus tantum cometaHimmelserscheinung (im Register).

Meae rationes hae sunt: Primus cometaHimmelserscheinung (im Register) stabat inter CrateremHimmelserscheinung (im Register) et CorvumHimmelserscheinung (im Register), cum se oculis nostris subduceret. Postquam iste nobis inconspicuus factus est, caelum decem circiter dierum spatio nubibus obductum habuimus. His dissipatis et serenitate caelo reddita, iste cometaHimmelserscheinung (im Register) valde exiguus ob vicinum Lunae lumen circa pedem sinistrum OrionisHimmelserscheinung (im Register) apparuit, tunc vero intra duos dies ultra 16 gradus proprio motu percurrit. Hoc mihi occasionem praebet opinandi, eum praeteritis diebus, quum non fuerit visus, non minus 8 circiter grad.Abkürzungsauflösung: gradus quotidie percurrisse. Quod cum ita sit, facile videre est, hunc et priorem cometam unum eundemque cometam esseHimmelserscheinung (im Register), praesertim cum sidus CorviHimmelserscheinung (im Register) et OrionHimmelserscheinung (im Register) non ultra 70 gradus a se distent, sicut in globo videri potest.

Neque vero obstat, quod prior cometaHimmelserscheinung (im Register) caudam suam in Occasum, posteriorHimmelserscheinung (im Register) vero in Ortum [249] projecerit. Nam prout ipse, nobilissime domine residens! vel me tacente nosti, nil aliud est cauda cometae, quam radii solares per materiam nebulosam circa caput cometae transmissi. Unde sequitur, quod cauda semper a Sole aversa sitHimmelserscheinung (im Register). Nunc dirigit prior caudam in occasum, quoniam Sol (cum cometa in conspectum nostrum mane veniret) jam in Ortum progressus erat. Iste cum vesperi videatur, quo tempore in Occasu stat, necessario caudam suam in Occasum projicit. Propterea tamen unus idemque cometa esse potest: nisi quod alterum aspectum Solis habeat. Praeterea invenio in KepleroPerson (im Register), Abkürzungsauflösung: anno 1618 etiam tres cometas fuisse, ex quibus duo, praeter illum tertium valde magnum, in considerationem non veniunt. Sed tempus non patitur de his plura verba facere.

Editorische Anmerkungen
  1. Tatsächlich sind beide Sterbilder weiter als 70° voneinander entfernt, nämlich rund 100°; vielleicht liegt ein simples Versehen beim Abzählen der Abschnitte des tropischen Tierkreises vor. Die angegebene "Durchschnittsgeschwindigkeit" von knapp 8° pro Tag bietet aber einen korrekt gerundeten Wert für den Längenabstand von ca. 115° zwischen α CorviHimmelserscheinung (im Register) und β OrionisHimmelserscheinung (im Register), der in 16 Tagen durchlaufen wird. Zurück zur kommentierten Textstelle
  2. Es handelt sich um die Kometen C/1618 Q1Himmelserscheinung (im Register); C/1618 V1 Himmelserscheinung (im Register)und C/1618 W1Himmelserscheinung (im Register); letzterer ist der "Große Komet". Die Beobachtungen der drei Kometen sind durch KeplerPerson (im Register) in dessen De cometis (KGW 8, S.177–218Werk (in der Bibliografie)) beschrieben. Zurück zur kommentierten Textstelle
Zitierhinweis

Michael Weichenhan: „Johann Rist (Hamburg) an Otto v. Guericke d. J. (Hamburg), 24. Januar 1665“, in: Zwischen Theologie, frühmoderner Naturwissenschaft und politischer Korrespondenz: Die sozinianischen Briefwechsel, hg. von Kęstutis Daugirdas und Andreas Kuczera unter DH-Mitarbeit von Julian Jarosch und Patrick Toschka.

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