Editionsrichtlinien

Allgemeines

Die vielsprachigen und hinsichtlich ihrer Überlieferungsform heterogenen Texte, die der Briefedition zugrunde liegen, werden buchstabengetreu transkribiert. Da die Edition aber in erster Linie auf Lesbarkeit abzielt, werden vorsichtige Normalisierungen nach den jeweiligen fachlichen Gepflogenheiten der betroffenen Philologien vorgenommen. Eine Normalisierung sieht keine Anpassung an moderne sprachliche Formen vor, sondern richtet sich nach dem historischen Sprachstand. Auf die besonderen Formen und Ausnahmen wird nachfolgend in den Abschnitten zur Wiedergabe von Texten in den einzelnen Sprachen eingegangen

Bei aller Differenzierung zwischen den in den Briefen vorkommenden Sprachen wird ein gewisses Maß an Einheitlichkeit in der formalen Gestaltung angestrebt: In allen Texten wird Lang-s zu Rund-s sowie Rund-r zu normalem r stillschweigend normalisiert. In der gleichen Weise wird mit Verdoppelungs- und Nasalstrichen verfahren. Ligaturen werden aufgelöst. Lesehilfen durch graphische Auszeichnungen werden ebenfalls stillschweigend normalisiert bzw. getilgt. Im Lateinischen, Französischen, Deutschen und Italienischen werden u und v sowie i und j nach dem jeweiligen Lautstand bzw. Lautwert stillschweigend normalisiert. Das &-Zeichen wird im Lateinischen und Französischen stillschweigend zu „et“, alle anderen Abkürzungen hingegen in eckigen Klammern aufgelöst. Virgeln werden wiedergegeben; die Zeichensetzung wird behutsam an den heutigen Gebrauch angeglichen. Heute unübliche Zeichen wie (:, :), /:, //::\ und :\\ werden in runde Klammern ( ) aufgelöst, das Zeichen ⸗ erscheint in der Edition als einfacher Bindestrich. Abgekürzte Zahlen werden aufgelöst (2m wird zu 2000).

Da fast allen edierten Texten ein Digitalisat der Vorlage beigegeben wird, werden Abweichungen – oft druck- oder satztechnischer Art – nur ausgewiesen, wenn damit ein besonderer Sinngehalt verbunden ist. Initialen werden nicht eigens ausgezeichnet, Hervorhebungen durch ausschließliche Verwendung von Majuskeln werden nur dann beibehalten, wenn sich damit eine besondere Aussageabsicht verbindet. Zwei Majuskeln am Wortanfang werden heutiger Schreibung mit einfacher Majuskel angeglichen. Satzanfänge und Eigennamen werden grundsätzlich großgeschrieben. Der Seiten- oder Foliowechsel wird angezeigt. Kustoden werden nicht vermerkt; wenn sie allerdings von besonderer inhaltlicher Relevanz sind, werden auch sie kenntlich gemacht. Zeilenfall wird ebenfalls nicht markiert. Absätze werden sinngemäß gesetzt.

Für die hier edierten Brief- und Beilagentexte ist ein Wechsel zwischen den Sprachen typisch. Er manifestiert sich im Einbau fremdsprachiger Wörter oder Phrasen, die nicht als Zitate fungieren. Dieses Phänomen geht in der Regel auch mit dem Wechsel von Schrifttypen (Fraktur und Antiqua in Hand- und Druckschriften) einher und wird entsprechend ausgezeichnet. Konjekturen bei Textverlusten oder verderbten Stellen werden kenntlich gemacht. Zitate, die in manchen Fällen nur durch einen Sprachwechsel angezeigt werden, werden stets in doppelte Anführungszeichen gesetzt. Die Angaben der zitierten Bibelstellen richten sich nach der deutschen Lutherbibel. Bei abweichender Kapitelangabe oder abweichender Verszählung in der Vulgata wird dies ausgewiesen und die heutige Angabe hinzugesetzt. Die Angaben der übrigen Zitate richten sich nach wissenschaftlichen Ausgaben, die jeweils in Kommentar und Bibliographie nachgewiesen sind.

Zur Wiedergabe der verschiedenen Sprachen im Detail

Zur Edition lateinischer Texte

Die Schreibweise aus den Vorlagen wird beibehalten. Wie eingangs erwähnt, werden u und v sowie j und i nach dem jeweiligen Lautwert stillschweigend normalisiert. Darüber hinaus ist w ggf. in vu stillschweigend aufzulösen. Ligaturen werden ebenso stillschweigend aufgelöst, so æ zu ae bzw. œ zu oe. E-caudata wird mit ae wiedergegeben. Findet sich ein e-caudata an einer Stelle, an der sich in der heute üblichen Schreibweise des Lateinischen ein e befindet, so wird ein e gesetzt und der Eingriff kenntlich gemacht (hebraicę zu hebraice). Diakritische Zeichen, die reine Lesehilfen bilden, werden stillschweigend getilgt. Kürzungen werden nachvollziehbar aufgelöst. Die Groß- und Kleinschreibung wird vereinheitlicht, d. h. außer Satzanfängen und Eigennamen wird alles kleingeschrieben.

Zur Edition französischer Texte

Neben der stillschweigenden Normalisierung von u und v sowie j und i nach dem jeweiligen Lautwert erfolgt aus Gründen der Verständlichkeit eine stillschweigende Normalisierung beim Gebrauch von c und s, der in Texten aus der Frühen Neuzeit recht willkürlich sein kann. Dies betrifft vor allem die Unterscheidung von ce und se bzw. ces und ses sowie c’est und s’est, die zu Missverständnissen führen kann. Ansonsten bleibt die originale Schreibweise, also auch das Fehlen, der Einschub oder auch der Wechsel eines sprachlichen Zeichens im Vergleich zum heutigen Gebrauch einschließlich sämtlicher diakritischer Zeichen (Cedille, l‘accent grave, l’accent aigue und l’accent circonflexe für ein ausgefallenes s einer früheren Schreibweise) auch an heute unüblichen Orten (z. B. -eé) erhalten. Um eine lautgerechte Darstellung zu sichern und die Texte verständlicher darzubieten, wird die Cedille allerdings ggf. ergänzt (z. B. reçu statt recu, daneben bleibt es bei receu oder auch sçavoir statt modern savoir). Das Trema bleibt ebenfalls erhalten bis auf den Gebrauch bei bei ÿ welches zu y normalisiert wird. Unter den Kürzungen wird nur das &-Zeichen stillschweigend aufgelöst, alle weiteren Auflösungen von Kürzungen werden kenntlich gemacht. Ligaturen werden mit Ausnahme von æ und œ aufgelöst.

Der paläographische Befund zeigt in manchen Texten eine Verwendung der Großschreibung als Lesehilfe, so z. B. bei Artikeln. Diese Schreibungen werden stillschweigend zu Kleinschreibungen normalisiert. Ansonsten gilt für die Wiedergabe der französischen Texte, dass französische Substantive, wie in der modernen Sprache, kleingeschrieben werden. Ausnahmen von dieser Regel bilden Eigennamen im engeren und weiteren Sinn (d. h. geographische Bezeichnungen, Namen von Völkern, Stadtbewohnern oder Dynastien), Titel und titelähnliche Bezeichnungen, die aus der ständischen Hierarchie herausragen, Anreden, der Gottesname bzw. seine Synonyme, Namen von christlichen Feiertagen, die Namen der Himmelsrichtungen ohne weitere Ergänzung bzw. zur Bezeichnung eines Gebietes und Namen zur Bezeichnung öffentlicher Einrichtungen (z. B. les États [im Sinne von Stände], la Cour). Für eine bessere Lesbarkeit wird die Apostrophierung normalisiert, so dass bei Elision der auslautenden Vokale a, e und i ein Apostroph gesetzt wird (z. B. l’an statt lan, j’ay statt iay, qu’il statt quil).

Zur Edition deutscher Texte

U und v sowie j und i werden nach dem jeweiligen Lautwert stillschweigend normalisiert, was bei der Wiedergabe in deutschen Texten auch für w gilt. Nur die Fälle, in denen dies fraglich scheint, werden entsprechend gekennzeichnet. Der Bestand an Konsonanten bleibt gewahrt, dies gilt auch für Doppelkonsonanten am Wortanfang. Ebenso werden keine Reduktionen bei der Verdoppelung des Konsonanten n vorgenommen (also kein undt für unndt). Stehen uu bzw. vu für ein w, dann werden sie auch stillschweigend als w ediert. Vokale werden gemäß der Vorlage wiedergegeben, übergeschriebenes e wird zu Umlaut vereinheitlicht. Diakritische Zeichen über Vokalen bleiben erhalten, sofern sie nicht reine Lesehilfen sind (wie z. B. ein Bogen bei u, der getilgt wird). Fehlende Punkte über i und j werden stillschweigend ergänzt. Y wird als Repräsentation eines frühneuhochdeutschen Vokals beibehalten, so z. B. in medialer Position in einem Diphthong (z. B. keyßerlich statt keijßerlich). Steht es jedoch für eine ii- bzw. ij-Ligatur, so wird es – wie alle anderen Ligaturen in deutschen Texten – aufgelöst. Konventionelle Kürzungen durch Nasal- oder sonstige Striche, Aufwärtsschleifen für -er oder Abwärtsschleifen für -en oder -em werden stillschweigend aufgelöst. Gleiches gilt für dz für das, dasz oder daß bzw. wz für was.

Bei den Drucken folgt die Groß- und Kleinschreibung der Vorlage. Bei Manuskripten, die in der Zusammenschau eine breitere Palette an Varianten aufweisen, werden Satzanfänge, Eigennamen, Titel und deren (aufgelöste) Abkürzungen und ggf. bereits großgeschriebene Substantive großgeschrieben. Binnenmajuskel in Verben oder substantivischen Komposita, die gemäß dem paläographischen Befund in manchen Texten zu finden sind und als Lesehilfe dienen, werden stillschweigend zu Minuskeln normalisiert. Nominalkomposita ohne Bindestrich, aber mit Fugen-s, die auseinandergeschrieben wurden (Kriegs Schiff, Cron Groß Cantzler), werden ebenfalls normalisiert (Kriegsschiff, Crongroßcantzler).

Zur Edition griechischer Texte

Griechische Texte im Briefkorpus stellen entweder Zitate, Sprichwörter, isolierte Ausdrücke oder Fachtermini dar. Diese Passagen werden buchstabengetreu transkribiert. Dabei werden alle Ligaturen aufgelöst, iota subscriptum wird beibehalten. Alle diakritischen Zeichen, Spiritus und Akzente, die in der Frühen Neuzeit wie heute zur Rechtschreibung des polytonischen Griechischen gehören, werden beibehalten. Sie werden aber, wenn es sich um einen Diphthong handelt, systematisch nach dem heutigen altphilologischen Gebrauch über den zweiten Buchstaben gesetzt – und nicht über den ersten (wie es in der Frühen Neuzeit häufig der Fall war): also αὖ, und nicht ἆυ, εὐναί und nicht ἐυνάι, usw.

Zur Edition italienischer Texte

Für die Wiedergabe italienischer Texte gilt, dass sie ebenfalls zeichengetreu aufgenommen werden, selbst in Fällen stark abweichender Varianten eines Wortes oder Namens. Ebenso wie in den anderen Sprachen werden u und v nach ihrem jeweiligen Lautwert stillschweigend normalisiert. Darüber hinaus wird j durch i bzw. ij zu ii stillschweigend ersetzt. Ligaturen werden mit Ausnahme von æ und œ ebenso stillschweigend aufgelöst. Die Auflösung von Abkürzungen wird stets kenntlich gemacht, allein & wird stillschweigend aufgelöst. Diakritische Zeichen, d. h. vor allem l‘accento grave und l‘accento acuto bleiben unverändert erhalten und werden nur im Falle etwaiger Verwechselungsgefahr korrigiert, ergänzt oder getilgt. Ebenso wie in den französischen Texten wird die Apostrophierung für eine bessere Lesbarkeit normalisiert, so dass bei Elision der auslautenden Vokale ein Apostroph ergänzt wird (z. B. l’anima, dell'armi straniere). Im frühneuzeitlichen Italienisch ist teilweise auch ein Wegfall anlautender Vokale zu beobachten. Für eine bessere Verständlichkeit wird auch hier jeweils ein Apostroph gesetzt und auf Getrenntschreibung der betroffenen Wörter geachtet. Großgeschrieben werden Satzanfänge, Eigennamen, der Gottesname und seine Synonyme (was auch für die Gottesmutter und die Festtage gilt), Namen von Institutionen (la Corte, la Dieta Generale) und Substantive, die Personengruppen, z. B. Völker, bezeichnen. Titel und titelähnliche Bezeichnungen, die synonym für eine Person gebraucht werden, werden ebenfalls großgeschrieben.

Zur Edition polnischer Texte

Die frühneuzeitlichen polnischen Texte werden zeichengetreu unter Wahrung des Lautstandes und unter Einschluss sämtlicher diakritischer Zeichen wiedergegeben. Dies gilt auch für die Grapheme ą und ę (a mit Ogonek, e mit Ogonek), die Buchstaben des polnischen Alphabets darstellen. Satzanfänge, Eigennamen und Anreden werden großgeschrieben, Abkürzungen werden aufgelöst.

Textkategorien und Klassifikationen

Der Edition sind – wie bei solchen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekten üblich – die Richtlinien des Deutschen Textarchivs, d. h. das DTA-Basisformat (DTA-Bf), zugrunde gelegt worden. Im Zuge seiner Entwicklung, in die Ergebnisse aus der Arbeit an unterschiedlichsten Textsorten Eingang gefunden haben, sind Definitionen von Dokumententypen vorgenommen worden, die unter: http://www.deutschestextarchiv.de/doku/klassifikation#dwds abrufbar sind (aufgerufen am: 03.09.2019). Im Rahmen der Bearbeitung der für die hier edierten Briefwechsel – wie für frühneuzeitliche Korrespondenzen allgemein – charakteristischen Beilagen zeigte es sich allerdings sehr schnell, dass diese Klassifikationen dem überlieferten Material nicht gerecht werden würde. Daher wurden für die Klassifizierung der Text- und Bildbeilagen zusätzliche Typen eingeführt: