Das Partikularkorpus Lubieniecki – Guericke d. Ä.

Der Briefwechsel von Stanisław Lubieniecki mit dem Magdeburger Bürgermeister Otto Gericke, seit Januar 1666: von Guericke (1602–1686), umfasst insgesamt acht Briefe, von denen drei Guericke, die restlichen fünf Lubieniecki zum Absender haben. Hinzu kommen sechs Beilagen. Ausgetauscht wurden die Schreiben im Zeitraum zwischen dem 14. März 1665 und dem 29. April 1666.

Der Briefwechsel ist durch Vermittlung des Sohnes, des Brandenburgischen Residenten in Hamburg Otto von Guericke d. J. (1628–1704), zu Stande gekommen. Die Information, der in der Gelehrtenwelt bereits berühmte Naturforscher habe sich mit dem im Dezember 1664 sichtbar gewordenen Kometen beschäftigt, hat in Lubieniecki den Wunsch geweckt, mit dem angesehenen Autor in Kontakt zu treten und ihn zu motivieren, sich an dem von ihm entwickelten Projekt eines Gedankenaustauschs über Kometen zu beteiligen. Guerickes Auffassungen von den Kometen kommt für den Ausbau des Netzwerks Lubienieckis zu demjenigen Diskussionsforum, das der erste Band des Theatrum cometicum dokumentiert, eine entscheidende Rolle zu. Denn es waren gerade dessen eigenwillige Thesen über die Entstehung jener geschweiften Himmelskörper, die Lubieniecki seit Ende Dezember 1664, also weit vor Beginn der direkten Korrespondenz mit Guericke selbst, zahlreichen Gelehrten zur Stellungnahme vorgelegt hatte. Aus den überwiegend ablehnenden Voten der Astronomen und den sich anschließenden breit geführten Diskussionen über allgemein naturphilosophische Annahmen Guerickes – die Existenz des Vakuums und das heliozentrische Weltsystem –, entwickelte sich jener Diskurs im Umfeld der Kometen, den Lubieniecki sich erhofft haben dürfte.