Das Partikularkorpus Lubieniecki – Reyher

Der Briefwechsel von Stanisław Lubieniecki mit Samuel Reyher (1635–1714), dem Professor für Mathematik an der neu gegründeten Christian-Albrecht-Universität zu Kiel, setzt später als die übrigen ein, die das Theatrum cometicum präsentiert. Der erste Briefkontakt fand am 29. Oktober 1666 statt, der letzte Brief datiert vom 24. Juli 1667. Freilich hatte Lubieniecki bereits im November 1665 versucht, den gelehrten Prinzenerzieher, Juristen und Mathematiker für die Mitarbeit am Theatrum cometicum zu gewinnen. Die Briefe, die Lubieniecki zu diesem Zweck im Vorfeld an die Kieler Professoren Michael Watson (1623–1665) und Peter Musaeus (1620–1674) gerichtet hatte, nahm er in sein Werk auf. Warum die Kommunikation mit Reyher nicht früher zustande kam, ist dem Briefwechsel nicht zu entnehmen. Von insgesamt 15 Briefen, die zwischen Lubieniecki und Reyher ausgetauscht wurden, entfallen sieben auf Lubieniecki und acht auf Reyher. Sie führen in die Schlussphase des Theatrum cometicum: Die Publikation des gewaltigen Werkes stand unmittelbar bevor – der Druck hatte bereits begonnen –, weshalb einige Schriftstücke auf eingelegten Blättern bzw. in den Nachträgen abgedruckt werden mussten.

Selbstverständlich bestimmt die Entstehungszeit das thematische Profil des Partikularkorpus: Da die Kometen der Jahre 1664 und 1665 den Blicken längst entschwunden waren, kommen dem Austausch und dem Abgleich von Beobachtungsdaten ebenso wenig wie der Diskussionen der Identität der Kometenerscheinungen kaum noch Bedeutung zu. Reyher teilt zwar Lubieniecki seine Beobachtungen des Andromedanebels und die des Kometen C/1664 W1 mit, die er einst in Rinteln angestellt hatte, konzentriert sich aber in erster Linie auf naturphilosophische und theologische Deutung jenes Phänomens. So wird das Partikularkorpus thematisch von der Diskussion über den Sinn und die Reichweite astrologischer Deutungen sowie über die Interpretationen des berühmten Sterns der Magier (Mt 2, 1–12) bestimmt. Dabei fand Lubienieckis Einstellung zur Sterndeutung, die darauf hinauslief, Kometen nicht als Ursachen von irdischen Ereignissen anzusehen, sondern als von Gott gesandte Zeichen, die Gutes den Guten, Böses den Bösen bedeuteten, bei Reyher durchaus Resonanz. Bedeutenden Raum nimmt schließlich der Austausch von Dichtungen ein, die auf Initiative Lubienieckis zum Andenken an den inzwischen in Kiel verstorbenen Johann Ernst von Rautenstein (1623–1666) verfasst wurden. Aus dem Briefwechsel mit Reyher stammen zahlreiche der im Theatrum cometicum abgedruckten funeralpoetischen Stücke zu Ehren Rautensteins.

Literatur (Auswahl)

Volker Weidemann, Theatrum Cometicum. Hamburg und Kiel im Zeichen der Kometen von 1664 und 1665, Hamburg 1987.