Das Partikularkorpus Lubieniecki – Rötlin

Das Partikularkorpus umfasst insgesamt 11 Briefe, die Lubieniecki mit Johann Melchior Rötlin, dessen genaue Lebensdaten nicht bekannt sind, im Zeitraum vom 9./19. Dezember 1664 bis zum 13./23. Januar 1665 gewechselt und ins Theatrum cometicum aufgenommen hat. Handschriftliche Zeugnisse dieses Briefwechsels sind offenbar bis auf die Abschrift eines Briefes von Rötlin an Lubieniecki vom 23. Dezember 1664 nicht erhalten. Diese Kopie hatte Lubieniecki einem Schreiben an Johannes Hevelius (1611–1687) beigelegt, sie ist daher unter dessen Briefen in den Sammlungen der Bibliothek des Pariser Observatoriums zu finden. Der Briefwechsel wurde durchgängig auf Französisch geführt und von Lubieniecki offenbar für die Veröffentlichung im Theatrum cometicum eigens ins Lateinische übersetzt, wo Original und Übersetzung als Bilingue dargeboten werden. In der vorliegenden Edition werden diese Übersetzungen als Varianten präsentiert.

Seinen Briefpartner hat Lubieniecki dem Publikum im Stile einer Adresse zu seinem ersten Schreiben als Geheimen Rat bzw. Kammersekretär des dänischen Königs vorgestellt. Über Rötlins Anfänge ist relativ wenig bekannt. Geboren in Güstrow, wurde er bereits als Kind im April 1633 als Nr. 136 an der Universität Rostock immatrikuliert, aber ob seines geringen Alters erst zum akademischen Jahr 1635/36 als Nr. 35 zum Studium zugelassen. Karriere machte Rötlin zunächst in Institutionen der Hanse: In den Jahren 1648 bis 1650 war er als Vizesekretär im Deutschen Kontor zu Bergen tätig und stieg dann zum Sekretär auf, eine Position, die er von 1650 bis 1656 bekleidete. Seine Tätigkeit rief offenbar keine ungeteilte Zufriedenheit hervor, und so schied Rötlin nach Auseinandersetzungen mit den Bergenfahrern um seine Amtsführung schließlich aus dem Dienst des Kontors aus.

Rötlin trat später in dänische Dienste, in denen er offenbar auch Lubieniecki begegnet ist: Ende 1660 ist er als königlich dänischer Resident in Danzig nachweisbar, 1664, ausweislich der Angaben Lubienieckis im Theatrum cometicum zum oben erwähnten Schreiben vom 9./19. Dezember 1664, war er bereits dänischer Kammersekretär in Kopenhagen. Später, 1674, erscheint Rötlin als Rat am königlich dänischen Kommerzkollegium in Kopenhagen und er verstarb vermutlich auch dort.

Der Ton des ersten im Theatrum cometicum veröffentlichten Briefes lässt auf eine Ende 1664 bereits bestehende Bekanntschaft schließen, deren Beginn angesichts der Quellenlage ungewiss ist. Weitere etwaige Schreiben oder andere Quellen, die darüber Auskunft geben könnten, sind bislang nicht aufgefunden worden. Mit Blick auf Lubienieckis Itinerar und den Verlauf von Rötlins Karriere scheint es nicht ausgeschlossen, dass sich die beiden um 1660 im Danziger Raum kennengelernt haben könnten: Lubieniecki hielt sich in den Jahren 1659 und 1660 in Wolgast, Stettin, Elbing, Zoppot und auch in Oliva (heute ein Stadtteil von Danzig) auf, wo ein Friedensvertrag zwischen Schweden und Polen verhandelt wurde.

In ihrer im Theatrum cometicum abgedruckten Korrespondenz erscheinen die beiden Briefpartner vor allem als Angehörige der res publica litteraria, die sich für Astronomie interessieren, eigene Beobachtungen anstellen und wissen wollen, was andere, insbesondere namhafte Gelehrte, darüber denken und schreiben. Und so ist es auch die Vermittlung entsprechender Kontakte, die Raum in den Briefen einnimmt, im Falle Rötlins und Lubienieckis vor allem die Weiterleitung von Anfragen und Briefen an den Arzt, Anatom und Theologen Thomas Bartholin (1616–1680) und seinen jüngeren Bruder Erasmus Bartholin (1625–1698), seit 1656 Professor für Geometrie in Kopenhagen, aber auch ausgewiesen in Medizin und Physik.

Literatur (Auswahl)

Friedrich Bruns, Die Sekretäre des Deutschen Kontors zu Bergen, Bergen 1939 (= Det Hanseatiske Museums skrifter, 13), S. 71–75.

Maciej Jasiński, Stanisław Lubieniecki i astronomia kometarna XVII stulecia, Warszawa, Gdańsk 2017.

Kersten Krüger (Hg.), Matrikelportal Rostock – Datenbankedition der Immatrikulationen an der Universität Rostock seit 1419, Immatrikulation von Iohan Melchior Rotlingk, http://purl.uni-rostock.de/matrikel/100043638; http://purl.uni-rostock.de/matrikel/100048476 (14.04.2020).

Janusz Tazbir, Stando lubentius moriar. Biografia Stanisława Lubienieckiego, Warszawa 2003.